"Bit" 1/2001 Seite 14-16

Artbeton am Filmset von "Quo Vadis"

Im März letzten Jahres haben wir Techniken zur Herstellung von Betonoberflächen vorgestellt, die das Aussehen von beliebigen Natursteinmaterialien haben sollten. Auf Grund des grossen Interesses unserer Leser und die aussergewöhnliche Ausführung die am Set von "Quo Vadis" entstanden ist, haben wir entschieden das Thema wiederaufzugreifen.

Wie wir in der Ausgabe 3/2000 bereits geschrieben haben, beruhen die Artbetontechnologien auf entsprechend vorbereiteten Prozessen der Ausführung von Betonoberflächen. Wir haben damals ausführlich die Technik des Einpressens und Färbens von frischem Beton (sog. Stempeln- als beliebteste Methode) beschrieben, sowie drei Varianten dieser Technologie vorgestellt: den Effekt von glatten, vielfarbigen Steinplatten, die Ausführung von senkrechten Elementen sowie das Aufgiessen einer neuen Schicht auf alten, beschädigten Beton.
Erinnern wir uns, dass man aus Artbeton jegliche Oberflächen, sowohl innen wie aussen, herstellen und ihnen die Form von jedem beliebigen natürlichen Material geben kann- Granitsteine, Klinkersteine, Stein- oder Marmorplatten oder sogar Eichenbohlen. Die Beliebigkeit der Farb- oder Musterauswahl gibt nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Kreation von individuellen Lösungen; um so mehr, als dass diese Techniken es erlauben, räumliche Einrichtungen zu Schaffen. Dieses Mal wollen wir jedoch nicht auf die Techniken eingehen, sondern auf die Möglichkeiten, die sie dem Team der...Szenographen am Set des Films "Quo Vadis gegeben haben. Betrachten wir näher die visuellen Effekte der Zusammenarbeit der Filmleute und Oberflächengestalter der Firma aus Wroclaw- Artbeton.


Die Arbeit am Set

Das Interesse der Filmschaffenden an der Technologie von Artbeton begann, als sich herausstellte, dass die Ausführung eines antiken, kopfsteinbepflasterten Weges mit exakt definierter Farbgebung und komplizierter Form ein sehr schwieriges und zeitraubendes Unterfangen sein würde.
Die Schaffung des Effektes von verbrauchten Staßenplatten, Spurrillen oder Bordsteinen aus Naturstein würde das arbeitsintensive Schleifen erfordern. Das würde die Arbeitszeit an der Szenographie verlängern sowie die Anlieferung von grossen Mengen an entsprechenden Materialien nötig machen. Im Falle des gestempelten Betons war es nur erforderlich die entsprechenden Matrizen anzufertigen und sich an die farblichen Vorgaben der Szenographie anzupassen. Das Moment war ideal, da man in Wroclaw bereits seit einiger Zeit an der Technologie der eigenständigen Formgebung gearbeitet hatte.
Die Herausforderung wurde angenommen.
Nach eingehendem Studium der von den Szenographen angelieferten Fotographien und historischen Materialien stellte man eine Oberflächenprobe her, die bereits beim ersten Treffen mit dem Filmteam akzeptiert worden ist.

Janusz Sosnowski, der Hauptszenograph von "Quo Vadis", hat hohe Erwartungen nicht nur die Form und Farbe betreffend gehabt, aber insbesondere auch in Bezug auf den natürlichen Charakter, den Ausdruck und die Realitätsnähe der zu schaffenden Oberfläche strenge Vorgaben gestellt. Sich der Stempeltechnologie, spezieller Matrizen und besonderer Färbezusammenstellungen bedienend, haben die Spezialisten von Artbeton ca. 500 Meter steinerner Oberfläche geschaffen, die die römischen Kopfsteinpflaster vom Hintertiber "spielten". Nach der Betrachtung der ersten Arbeitseffekte und der technologischen Mäglichkeiten haben die Szenographen der Firma die Ausführung der Oberfläche und der Treppe des Forum Romanum angeboten. Hier erschienen zum ersten Mal marmorähnliche Fussböden, zu deren Herstellung man eine andere Technologie anwandte, die auf dem Anreiben und Einätzen des Betons mit speziellen Präparaten basiert. Bald war es klar, dass alle Oberflächen in den zu montierenden Dekorationen für die in Polen gedrehten Szenen, alle Wege, Plätze, Höfe und Palastfussböden aus Artbeton hergestellt werden. Während der Arbeiten stellte sich auch heraus, dass das eine hervorragende Lösung für die Herstellung der Springbrunnen ist (sie mussten funktionieren!), die in den Palastsälen und Höfen erschienen.
Ein von den Filmleuten besonders gewürdigter Vorteil der Technologie war die Tatsache, dass in der letzten Phase der Arbeit an den Oberflächen es möglich ist Farbkorrekturen vorzunehmen, was den Bühnenbildnern besonders entgegenkam, da man trotz der viele Monate andauernden Studien und Entwürfe der Dekoration die Farbgebung der Kopfsteinpflaster und Fussböden, die mit den senkrechten Elementen der Dekoration interagieren mussten, nicht exakt bestimmen konnte. Jedes Filmobiekt hatte seinen individuellen Charakter sowie individuelle Farbgebung wobei das Zusammenspiel der Fussböden mit den senkrechten Elementen (Wände, Säulen usw.) äusserst wichtig war. Szenographenteams wachten darüber, und jedem dieser Teams war am Erreichen eines maximalen Effektes sehr gelegen. Die Oberflächen wurden zusätzlich patiniert. Aus dem gestempelten Beton fertigte man auch die Ausläufe für die Löwen in dem im Warszawiankastadion errichteten Collosseum und die Gefängnisfussböden; die Technologie des Abreibens und Einätzens leistete hervorragende Dienste im Palast des Cäsar, wo man von Anfang an 800m/2 Oberfläche anfertigte- es wurde Beton gegossen, angerieben, dilatiert und so gepflegt, dass man den Effekt von Marmor erreicht hat.
Beachtenswert ist im Besonderen die Tatsache, dass die senkrechten Elemente der Dekoration nur für kurze Zeit gabaut worden sind (überwiegend aus Rigipsplatten und Styropor), die Fussböden hingegen mussten haltbar sein- auf ihnen mussten sich die Schauspieler, Pferde und das Filmequipment bewegen. So wurden alle Oberflächen aus einer mindestens 4 cm starken Betonschicht mit zusätzlicher Armierung gefertigt. Deßhalb waren es auch die Betonfussböden, die nach dem schon berühmten unkontrollierten Brand des Forum Romanum als einzige Teile der Dekoration erhalten geblieben sind und nach einmaligem Abwaschen mit Wasser unter Hochdruck weiterbenutzt werden konnten, ohne ihre Form oder Farbe verloren zu haben.
Sämtliche Arbeiten dauerten über 4 Monate. Man brauchte diese Zeit, um die Matrizen und entsprechende Färbematerialien vorzubereiten und die 6500m/2 anzufertigen wovon jeder Quadratmeter vom Chefszenographen akzeptiert werden musste. Kein Fragment durfte nachlässig angefertigt werden. Der Regisseur und Kameramann mussten sicher sein, dass jedes Detail auf welches die Kamera gerichtet sein wird, den Ansprüchen genügen wird und möglichst realitätsnah wiedergegeben ist.

Nicht nur im Film auch historische Gassen, Plätze und Promenaden

Dank der Möglichkeit Matrizen mit beliebigen Mustern nach individuellen Bedürfnissen entwerfen zu können erlaubt die Anwendung von Artbeton praktisch die Wiedergabe jeder Oberfläche. Dies kann unschätzbar gute Dienste bei Renovierungen alter Gassen, Marktplätze, Paläste, Winkel aber auch steinerner Ensembles alter Burgen leisten. Hierbei sollte man anmerken, dass im Falle teilweise beschädigter Elemente es möglich ist, die fehlenden Fragmente so wiederherzustellen, dass die Betonimitation sich visuell vom Ganzen nicht unterscheidet.
Auf den Fotographien sehen wir einige der charakteristischsten Beispiele der Anwendung von gestempeltem Beton- auf dem Gelände der Universal Studios und privater Anwesen in den USA. Die Möglichkeiten und erreichten Effekte sind oftmals überraschend. Es fällt einem schwer zu glauben, dass dies simple jedoch entsprechend präparierte Betonplatten sind. Betrachten wir einmal die realitätsnah wiedergegebene Gasse aus den 20er Jahren mit sog. Katzenkopfsteinpflaster und einem Rinnstein in der Mitte oder die Straße, die so exakt wiederhergestellt worden ist, dass obwohl es sich um neu gegossene Betonplatten handelt, ausser anderen Details man bemüht war, die Spuren der alten bereits entfernten Gleisanlage zu erhalten.
Das Verfahren der natürlichen Betonoberflächen kann im Innenbereich wie in Restaurants, Kirchen, Museen oder Passagen eine Anwendung haben. Das kann dabei sowohl gestempelter als auch angeriebener Beton sein, der mit speziellen Mitteln eingeätzt wird und dann z.B. den Effekt eines Marmorfussbodens wiedergibt. Bei beiden dieser Verfahren ist die Möglichkeit gegeben in den Fussboden ein beliebiges graphisches Motiv, z.B. ein Firmenlogo, hineinzukomponieren.

Eine Artbetonoberfläche erfordert keine arbeits- oder kostenintensive Pflege. Des Weiteren sind diese Oberflächen sehr preisgünstig im Gegensatz zu Oberflächen aus Naturstein da sie nicht mit der Notwendigkeit der Beschaffung von natürlichem Material verbunden sind. Wichtig ist auch die Tatsache, dass dieses verfahren überaus schnell ist, was die Zeitaufwendung für das gesamte Bauvorhaben erheblich verringert.

Die Vorteile von in der Artbetontechnologie hergestellten Fussböden
-monolitische Platten ohne Ausgleichsschicht, ohne Klebstoff, Fliesen oder Fugen
-die Möglichkeit, viele verschiedene Formen und Farben zu erzeugen
-eine erhöhte Widerstandsfähigkeit der Oberfläche gegen Druck und Abrieb
-absolute Frostbeständigkeit
-verschiedenen ökologischen Katastrophen entgegenwirkende Dichtheit des Untergrunds (kein Einsickern von Chemikalien in den Boden)
-Farbfestigkeit
-Resistenz gegen extreme atmosphärische Gegebenheiten, Chemikalien, Säuren (auch während der Schneebeseitigungsperiode), UV-Strahlen, Motorenöle
-die Platten werden nicht von Moosen bewachsen und fallen nicht ein
-es entstehen keine Spurrillen auch bei sehr hohen Temperaturen



Gra¿yna Marciniak, Sebastian Osowski


Nachbildung eines romischen Weges zum Hintertiber für den Film Quo Vadis


Marmorähnlicher Fussboden (die Technoligie basiert hier auf dem Anreiben und Einätzen des Betons mit speziellen Präparaten.)


Betonfussboden in Gemach von Vincjus.


Die Oberfläche und die Treppe des Forum Romanum aus dem gestempelten Beton.


Ein romischer Steinbrunen (hof bon Kryspusses Haus am Hintertiber)


Perfekte Nachbildung einer Gasse aus dem 20. Jahrhundert.


Eine breitgefächerte Farbpalette erlaubt es, die Oberfläche mit dem Charakter des Baus harmonisch zu verbinden.


Steinplatten oder gestempelter Beton?


Eine Gasse mit allen Details (sogar mit den Spuren der alten berits antfernten Gleisanlage).



Ein Ziegelsteinspazierweg aus dem Beton.